Traumapädagogik im Einsatz

Fortführung der traumapädagogischen Arbeit der „Freunde der Erziehungskunst – Notfallpädagogik” im Gaza-Streifen vom 23.10. bis 06.11.2010

Das mit Förderung des Auswärtigen Amtes ins Leben gerufene Gaza-Projekt der „Freunde der Erziehungskunst – Notfallpädagogik” geht in seine zweite Runde. Nachdem die „Freunde” bereits im Juli Schulungen für lokale Fachkräfte in Gaza angeboten und ein Kinderschutzzentrum in Al-Zeitoun eingerichtet hatten, wird seit dem 23. Oktober ein zwei-wöchiger Folgeeinsatz in der Kriegsregion realisiert.

Dank der vorausgegangenen Einsätze (Februar und Juli 2009, Juli 2010) konnten die „Freunde” ein großes Netzwerk mit lokalen pädagogischen Einrichtungen vor Ort aufbauen. Den jeweiligen Bedürfnissen entsprechend, kommt das „Freunde”-Team in unterschiedlichen Orten zum Einsatz.

In den Kindergärten des Kooperationspartners „Al-Qattan Center for the Child” werden theoretische Workshops für Kindergärtnerinnen abgehalten. Zusätzlich arbeitet ein Teil des „Freunde”-Teams im Anschluss selbst pädagogisch mit den Kindern und Lehrern. In diesem Zusammenhang trat das „Al-Qattan Center for the Child” mit einem überraschenden, aber sehr erfreulichen Anliegen an das „Freunde”-Team heran: derzeit plant das Center sechs neue Kindergärten. Das Notfallteam soll nun auf Bitten die Strukturen, die räumliche Gestaltung und den Aufbau eines Waldorfkindergartens vorstellen. Um dem Wunsch des Al-Qattans zu entsprechen, ist an drei Tagen eine Einführung geplant. Den kulturellen Gegebenheiten entsprechend muss jedoch berücksichtigt werden, dass die Kinder in Gaza bereits im Kindergarten Lesen und Schreiben lernen. Da sich die Waldorfpädagogik gerade durch ihre Fähigkeit, sich kulturellen Besonderheiten anzupassen, auszeichnet, kann die Einführung von Waldorfkindergärten in Gaza als Chance gesehen werden, das frühe Lernen der Kinder mit kreativ-künstlerischen Methoden auszugleichen.

An den Vormittagen finden des Weiteren methodische Trainings für die fünf Pädagogen, die im Kinderschutzzentrum in Al-Zeitoun tätig sind, statt. Nachmittags wird die Arbeit im Child Friendly Space methodisch begleitet und ausgebaut. Die letzen Wochen haben gezeigt, dass - den Interessen der Jungen gemäß - Aktivitäten angeboten werden müssen, die nun durch das „Freunde”-Team eingeführt werden. Vor diesem Hintergrund sind verschiedene Aktionen geplant, wie zum Beispiel praktische Holzarbeiten und ein Fotoprojekt. Nach Aussage der derzeit vor Ort tätigen Einsatzleiterin Kristina Manz berichten die Eltern von positiven Verhaltensänderungen der Kinder. Anstatt vom Krieg zu sprechen, würden die Kinder zu Hause von den Aktivitäten im Child Friendly Space erzählen. Lieder, die sie zusammen mit den palästinensischen Fachkräften im Kinderschutzzentrum singen, würden Zuhause wiederholt werden, was einen positiven Effekt auf die Geschwister habe. Auch wenn die Arbeit im Child Friendly Space großenteils von Erfolg gekennzeichnet ist, sind vereinzelt die Auswirkungen der durch Krieg verursachten Traumatisierungen deutlich merkbar. So fallen manche der Kinder bspw. durch ihr aggressives Verhalten auf.

Dem insgesamt fünften Einsatz der „Freunde” in Kriegs- und Katastrophengebieten im Jahr 2010 wird vom 27. November bis 12. Dezember 2010 auf Bitten der „Union der Bildungsinstitutionen” Kirgisistans und verschiedener kirgisischer Waldorfinitiativen eine sechste notfallpädagogische Krisenintervention in Kirgisistan folgen.

Zu den Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.:

Die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. fördern weltweit Initiativen eines freien Bildungswesens. Seit 1971 setzen sie sich für die Verbreitung der Waldorfpädagogik und für Freiheit im Bildungswesen ein. Seit 1993 organisiert und betreut das Büro in Karlsruhe internationale Freiwilligendienste in aller Welt und ermöglichte bislang über 6.000 Menschen einen sozialen Dienst in über 350 Projekten in mehr als 60 Ländern. Zurzeit nehmen jährlich rund 600 junge Menschen an den Programmen teil. Seit 2006 ist der Verein im Bereich „Notfallpädagogik” tätig. In Folge von kriegerischen Auseinandersetzungen und Naturkatastrophen arbeiteten die „Freunde” bislang mit psychotraumatisierten Kindern und Jugendlichen im Libanon (2006), China (2008), Gaza (Februar und Juli 2009 sowie Juli 2010), Indonesien (November 2009) und Haiti (Februar, Mai und September 2010).

Michaela Mezger

Öffentlichkeitsarbeit für Notfallpädagogik