25 Jahre Freie Waldorfschule Wetterau

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Am 1. und 2. Oktober 2010 feierten die Schulgemeinschaft, ehemalige Schüler und Eltern sowie viele Freunde mit dem „Abend der Begegnung” und dem „Tag der offenen Tür” das 25jährige Jubiläum der Freien Waldorfschule Wetterau. Am Freitagabend strömten zahlreiche Menschen erwartungsvoll in den großen Saal der Schule. Schon vor Beginn des Festaktes zogen zwei Besonderheiten die Blicke auf sich: Aus dem herbstlichen Blumengesteck, arrangiert auf einer Schubkarre, ragte ein Apfelpflücker, auch Arbeitshandschuhe, Stiefel und Baustellenband waren gelungen dazukomponiert – Natur, Kunst und die Insignien menschlicher Arbeit in einleuchtender Verbindung. Ein großer weißer Bogen wölbte sich im Hintergrund über die Bühne – er würde im Laufe des Abends als Bilderbogen dienen und die jeweiligen Stationen der Schulgeschichte veranschaulichen.
Vor diesem Hintergrund versetzten die beiden langjährigen Kolleginnen Andrea Nicolai und Ingrid Zakikhany die Zuhörer auf lebendige Weise in die Anfangszeit der Waldorfpädagogik in der Wetterau. An der Reaktion des älteren Teils im Publikum war deutlich abzulesen, wie gern man sich der schwierigen Zeiten erinnerte, als mit viel Initiative, Idealismus und praktischem Einsatz („Bau-Samstage”) der Anfang gemacht wurde.

Die Gründung

Im Mitarbeiterkreis des Heilpädagogischen Institutes Bingenheim war die Keimzelle entstanden, auch ein Gebäude in Bad Nauheim und ein Gründungslehrer, Thomas Frohmader, waren gefunden. Doch zögerte sich die amtliche Genehmigung des Schulbetriebes hinaus, und so musste die erste Klasse mit ihrem Klassenlehrer Joachim Fuß im Sommer 1985 als „Balkonklasse” der Frankfurter Waldorfschule beginnen, bis man 1986 in das umgebaute Schulgebäude in der Frankfurter Straße/Bad Nauheim ziehen konnte.

Als Zeugen der Anfangszeit fanden Heinrich Will und Harald Jäckel bewegende Worte. „Herzworte” sprach Heinrich Will, in denen deutlich wurde, welche selbstlosen Herzenskräfte von dem Gründerkreis ausgegangen waren. Ohne diese Kräfte hätte das Anliegen, der Waldorfpäda-gogik in der Wetterau eine Wirkensstätte zu schaffen, um Kindern die bestmögliche Begleitung auf ihrem Weg ins Leben zu geben, nicht auf die Erde kommen können. Es war einer der bewegendsten Momente des Abends, als die Zuhörer sich erhoben in Hochachtung und Dankbarkeit für das damals Geleistete – die „Herzworte” hatten ihren Weg zu den Herzen gefunden. Harald Jäckel erinnerte daran, wie schon 1990 die Bewegung so gewachsen war, dass der erste Spatenstich für den Schulneubau an der Birkenkaute 8 erfolgen konnte. Am 5. Mai 1990 wurde der Grundstein gesetzt, „die Brücke zur geistigen Welt”, über den seitdem ein jeder hinweg schreitet, der das Schulhaus betritt. Harald Jäckel stellte den Inhalt dieses den Blicken entzogenen Grundsteines dar, auf dem physisch sowie ideell die ganze Schulgemeinschaft aufbaut.

Die Gegenwart

Weitere Redebeiträge führten in die Gegenwart des Schullebens, die geprägt ist von einem Ringen um Gleichgewicht zwischen den ureigenen Impulsen der Waldorfpädagogik und dem Ermöglichen der staatlich anerkannten Abschlüsse in der Oberstufe. Harald Erasmus (Oberstufenlehrer) konnte von Erfolgen auf beiden Gebieten berichten. Norbert Handwerk (Landesarbeitsgemeinschaft Hessen) stellte die Waldorfschule Wetterau in den größeren Zusammenhang der hessischen Waldorfbewegung sowie der Quellkräfte der Stadt Bad Nauheim. Deutlich wurde, dass eine Schule nicht nur für sich besteht, sondern aus den Impulsen und Kräften eines Ortes lebt und dann aber über diesen hinaus wirkt und ausstrahlt.

Mittlerweile hat sich (seit Schuljahresbeginn 2007) die „kleine Zweizügigkeit” ab der 5. Klasse etabliert. Und der lang ersehnte Turnhallenbau neben der Schule konnte am 18. September diesen Jahres feierlich eingeweiht werden.

Künstlerische Darbietungen

Doch nicht nur Worte bewegten die Menschen im Saal an diesem Abend: Musik – gespielt von einem Klaviertrio, gesungen vom Lehrerchor, Eurythmie und eine artistische Darbietung am Vertikalseil rundeten das Programm ab und zeugten von hohem künstlerischen Niveau.

Im Anschluss an den Festakt im Saal bot das einladend geschmückte Schulhaus vielfältige Gelegenheiten der Begegnung. Auch am folgenden Tag konnten die zahlreichen Besucher während und nach der öffentlichen Monatsfeier Einblick in die vielseitigen Arbeitsgebiete gewinnen: beim Erleben von offenem Unterricht in verschiedenen Fächern und Klassenstufen, beim Betrachten der Fotodokumentationen zu unterschiedlichen Themen wie Schulgeschichte, Variété, Klassenspiele, um nur einige zu nennen. Das bewegte Klassenzimmer zog Klein und Groß an und in vielen Ausstellungen konnte man Einblick in die Arbeit der einzelnen Klassen gewinnen.

Die Freie Waldorfschule Wetterau zeigte sich als offener und belebter Ort des Lernens, der Begegnung, des Austauschs, als ein Lebensraum für Kinder, Jugendliche und Familien, der viele Menschen anzieht.

Besonders schön war es, dass an diesem Wochenende in Rückbesinnung auf die Wurzeln der Schule ein Kraftstrom spürbar wurde, der auch heute die Schulgemeinschaft belebt, verbindet und von dort in die weitere Umgebung ausstrahlt.

Sabine Schmidt

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