Uganda: Landfrauen und Heilkräuter

Aus der Arbeit der Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe bei der GLS Treuhand

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Es ist Regenzeit in Uganda. Schwere Tropfen fallen auf das Blechdach eines kleinen Lehmhauses. In einer Ecke des Hauptraumes, der als Küche, Wohnraum und Schlafstätte der Kinder dient, wärmen sich Küken an Tontöpfen, die mit glühender Holzkohle gefüllt sind. Um den Tisch sitzen acht Frauen einer Frauengruppe. Heute ist Schulungstag. Rose Ngala, Leiterin unserer Partnerorganisation KASUKU Organics, hat versprochen, mit den Landfrauen eine Salbe, die bei Rheuma und Kniearthrose lindernd wirkt, herzustellen.

 


Rheuma-Salbe zum Selbermachen. Rose Ngala, links im weißen T-Shirt, beim Training der Landfrauen.

Eukalyptus und Weihrauch für die Salbe

Rose Ngala hat alle Zutaten mitgebracht: eine Handvoll zerstoßener, scharfer Chilischoten, eine Handvoll zerriebener Eukalyptusblätter, etwa einen halben Teelöffel geriebener Weihrauchnüsse, eine flache Hand voll Bienenwachs, einen halben Liter Pflanzenöl sowie ein sauberes, grob gewebtes Baumwolltuch. Sie bittet die Hausherrin um einen Topf. Der kleine Propangaskocher der Familie wird so in die Mitte des Tisches gestellt, dass alle gut sehen können. Vor der Zubereitung der Salbe erklärt Rose Ngala den Landfrauen, für welche Beschwerden die Salbe eingesetzt werden kann und wann sie nicht verwendet werden darf. Schnell ergibt sich ein Bild: Bei Schmerzen der Gelenke, die bei Wetterveränderungen oder feuchtem Wetter auftreten – durch die harte Feldarbeit sind vor allem die Knie betroffen – kann die Salbe genutzt werden. Allerdings nur, wenn die Haut nicht wund oder aufgescheuert ist.

Rose Ngala erhitzt Wasser in dem Topf. Dann stellt sie eine Blechschüssel hinein. In dieser verrührt sie Weihrauch, Eukalyptus und Chilischoten mit dem Öl und belässt das Ganze etwa 20 Minuten im heißen Wasserbad. Im Anschluss seiht sie die Flüssigkeit durch das Baumwolltuch. Erst dann gibt sie das Bienenwachs hinzu. Das Bienenwachs verändert die Konsistenz ins Cremige. Es entsteht eine geschmeidige Salbe. Alle Frauen holen kleine Plastikdosen mit Schraubverschlüssen aus ihren weiten Kleidern – der Raum duftet nach Eukalyptus und Weihrauch. Sorgfältig verteilen sie die Salbe untereinander. Eine ältere Frau reibt sich verstohlen die Ellbogen und Handgelenke ein.

Artemisia – Teesud gegen Malaria

Seit über einem Jahr arbeitet Rose Nagala mit dieser Frauengruppe zusammen. Ein klassisches Einstiegsthema ist Malaria. Malaria tritt so häufig auf wie bei uns eine Grippe. In Verbindung mit Mangel- und Unterernährung kann Malaria zum Tod führen. Für die medizinische Behandlung von Malaria haben die Landfrauen kein Geld. Rose Ngala klärt über Malaria auf und lehrt die Frauen, Artemisia anzubauen. Artemisia ist eine Heilpflanze, deren Sud die Auswirkungen der Malaria deutlich abmildert und auch das Fieber senkt. Inzwischen bauen alle Landfrauen Artemisia an, trocknen die Pflanze fachgerecht und haben so bei Malariaanfällen ein wirksames und kostenloses Hausmittel zur Verfügung.

Wenig tabuisierte Themen wie Erkältungskrankheiten, Durchfälle, Würmer, Malaria oder Rheuma und ihre Behandlung mit probaten Heilkräutern bereiten den Weg für schwierigere Themen wie Aids oder auch Familienplanung. Es ist ein ganzheitliches Vorgehen, das Rose Ngala anwendet. Das Verfügen über eigene Ressourcen zur Gesundheitsvorsorge, das unmittelbare, praktisch orientierte Lernen, der eigene Anbau und der Zusammenhalt in einer Gruppe greifen dabei ineinander. Zehn weitere Landfrauengruppen sollen in diesem Jahr geschult werden.

Für diese Arbeit sind insgesamt 12.000 Euro pro Jahr notwendig. Das macht pro Landfrau 120 Euro pro Jahr.

Dr. Annette Massmann

Spendenzweck: Uganda - Landfrauen

Spendenkonto: Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe

GLS Gemeinschaftsbank eG

BLZ 430 609 67

Konto-Nr.: 12 330 010