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Zukunft der Arbeit – Karma des Berufs

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Sieht man in die lächelnden Gesichter der ca. 600 Besucher des Kongress der Anthroposophischen Gesellschaft, die nach Wochenende vom 24. bis 27. Juni 2010 die Rudolf-Steiner Schule in Bochum verlassen, so kann man eine positive Zukunft erwarten.

Alt und Jung, Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft, aber auch viele Interessierte kamen, um an vielfältigen Vorträgen, Arbeitsgruppen und Foren teilzunehmen. Götz W. Werner hielt die schwungvolle Auftaktrede zum Thema „Wie schaffen wir Initiative weckende Rahmenbedingungen?” und legte damit den Grundton der gesamten Veranstaltung. Lebendig und rege waren die Beteiligungen der Anwesenden. Rückfragen, eigene Beiträge, Initiativgruppen und spontaner Austausch prägten die Stimmung. Allein zum Jugendforum kamen statt der erwarteten 20 Teilnehmer plötzlich fast 60 Menschen, die unabhängig des biologischen Alters, den (nicht immer reibungslosen) Austausch wagten und vor allem einen Grundstein für mehr legten. Erstaunlich war, dass in einer Gesellschaft, die sich vor allem mit der demographischen Frage des Überalterns beschäftigt, die „Alten” eher als Ideengeber gefordert wurden, als Mitdenker und Ratgeber und nicht als „Bremsklotz” oder für die „Jungen” uninteressant. Das Alter(n) stand nicht im Fokus. Im Plenum galt das Interesse eher dem miterlebten Wandel der Arbeit, mit Blick auf Fragen nach „Neuer Arbeit”, Frithjof Bergmann, oder zur Sozialen Utopie „Grundeinkommen”, zu der Gerald Häfner, Europaabgeordneter, und Enno Schmidt, Künstler und Sozialaktivist, eine Annäherung aus verschiedenen Richtungen in einem der zahlreichen Foren gaben.

Aus 17 Arbeitsgruppen wählten die Teilnehmer am Freitag Nachmittag, diskutierten und debattierten, wie sich eine Gesellschaft entwickeln kann und entwickeln muss, um dem Arbeitsleben ein gesunde Zukunft zu ermöglichen.

Fokussiert wurde dieses Thema im Plenum am Samstag Vormittag als sich die Bundesjustizministerin a.D. Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin, der Unternehmer Wolfgang Gutberlet, der Europaabgeordnete Gerald Häfner, der Geisteswissenschaftler Wolf-Ulrich Klünker und der Künstler Johannes Stüttgen gemeinsam mit dem Generalsekretär der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland Hartwig Schiller, die Frage nach Arbeit und Menschenwürde stellten. Und wie immer, wenn man sich mit solch großen Fragen beschäftigt, stehen am Ende mehr Fragen im Raum als zu Beginn. Aber es sind Fragen, die nicht zur Resignation führen, sondern zum Vorwärtsgehen, weiter den Austausch zu suchen, weiter sein Umfeld mit zu gestalten.

Einrichtungen, die sich schon viele Jahre in der Praxis mit einer menschen- und zukunftsorientierten Arbeitsweise auseinandersetzen, konnten Samstagnachmittag besucht werden. Mit dabei waren u.a. das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, das zum Thema „Herausforderungen des Klinikalltag” zum Gespräch lud, die zukunftsweisende Bildungseinrichtung Uni Witten/Herdecke und die GLS Treuhandstelle, die bei einer Teilnehmerin solch tiefen Eindruck hinterließ, das sie meinte fast in einer Kirche gewesen zu sein.

Gerahmt waren die inhaltlichen Einheiten von künstlerischen Darbietungen vom Schulchor, über eine eindrucksvolle Eurythmie der „Jungen Bühne” bis zum facettenreichen Johannifest mit der starken Performance „Paradies verschenkt” des Bochumer „Theater Total”, sowie Kunstinstallationen auf dem gesamten Schulgelände. Auch der Omnibus für direkte Demokratie machte die Kongresszeit über Halt auf dem Schulhof.

Insgesamt war dieses sonnige Wochenende geprägt von einer Intensität, von Suche, Austausch und Ernsthaftigkeit. Am Ende lag ein leiser Optimismus im belebten Foyer der Waldorfschule. Sowohl ganz persönlich, als auch im Blick auf die Anthroposophie und die Gesellschaft, in der wir leben.

Dörte I. Abilgaard

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