11.9.

Lebensgemeinschaft Bingenheim

Tag der offenen Tür zum 60jährigem Jubiläum

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Die Entwicklung von einem Heil- und Erziehungsinstitut hin zu einem inklusiven Lebensort für Menschen mit und ohne Behinderung.

Die Lebensgemeinschaft Bingenheim feiert am Samstag, den 11. September von 11 bis 17 Uhr mit einem Tag der offenen Tür ihr 60jähriges Jubiläum. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, die nachstehend beschriebene Entwicklung vor Ort zu erleben. Es wird viel zu sehen und mitmachen geben – insbesondere auch für Kinder. Auch für informelle Gespräche gibt es Zeit und Raum.

Als vor sechzig Jahren eine von Pioniergeist und Idealismus geprägte Gruppe die Arbeit im Bingenheimer Schloss aufnahm, wollte vor Allem die Arbeit mit Seelenpflege-bedürftigen Menschen in einem Heil- und Erziehungsinstitut mit Leben erfüllt werden. Im Dorf reagierte man freilich ein wenig befremdet auf die neue Seligkeit des anthroposophischen Eilands. So fand der bodenständige Ur-Wetterauer zunächst vielleicht mehr Trennendes denn Verbindendes, begegnete er einem Heilpädagogen außerhalb der Schlosstore. Dass fortschrittliche Arbeit innerhalb derselben geleistet wurde, dass etwa der Gedanke der unversehrten menschlichen Individualität und das Schaffen eines Lebensortes, an dem echte Begegnungs-Qualität unabhängig von Beeinträchtigungen möglich ist, schon seinerzeit zentrale Motive der Begründer der Lebensgemeinschaft Bingenheim waren, drang nur schwerlich durch die dicken Heim-Mauern hinaus. Wenngleich der Grundstein für die heutige Arbeit gelegt wurde, mussten die Öffnung und die Einbeziehung der Umwelt doch erst Schritt für Schritt vollzogen werden. Dies gelang gewiss auch dadurch, dass die Lebensgemeinschaft bald zum größten Arbeitgeber der Gemeinde wurde. Kontinuierlich vollzog sich die Erweiterung in den Ort hinein; in den Siebzigern wurden der Werkstatthof – bestehend aus Kerzenzieherei, Töpferei, Weberei und Schreinerei – zwei Wohnhäuser sowie ein Schulgebäude errichtet; und in den Achtzigern wurde ein Meilenstein in Sachen Integration erreicht, als neben weiteren Wohnhäusern im Ort auch der landwirtschaftliche Betrieb auf dem „Quellenhof” startete in Zusammenarbeit mit Menschen aus dem Ort. Die Schaffung der Saatgutwerkstatt, die heute eine weithin bekannte, eigenständige Aktiengesellschaft ist, und die Begründung des „Allerleirauh Buch & Spiel-Ladens” sowie des Bio-Hofladens zeugen von den immer vielfältiger und verwobener werdenden Aktivitäten der Lebensgemeinschaft, die bis heute immer bunter und weit gefächerter wird. Kooperationen mit lokalen Betrieben, ganzheitliche Wirtschaftskreisläufe und vor allem verschiedenartigste Wohn- und Lebensformen für Menschen mit und ohne Hilfebedarf prägen die heutige Lebensgemeinschaft. Paarwohnen, Jugendtreffs, internationale Begegnung, verschiedene weitestgehend selbstständige Wohngemeinschaften, kurzum: offene, dynamische Lebensverhältnisse, die sich mit Elan noch weiter entwickeln, zeigen, dass in der heutigen und künftigen Lebensgemeinschaft „Inklusion” mehr als ein modisches Schlagwort ist. Ganz neu werden im August eine Küchenverarbeitungswerkstatt, eine Bäckerei und ein Hochseilgarten fertig gestellt.

Samstag, 11. September, 11-17 Uhr, Tag der offenen Tür, Lebengemeinschaft Bingenheim, Schloßstr. 9, 61209 Echzell, Tel. 06035-81124.

Manuel de Roos

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